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In ihrem Lied „D ersta Sun“ (die erste Sonne) beschreibt die österreichische Gruppe Seer ein fast apokalyptisches Szenario:“ Des is der Tog, an dem die Welt einistürzt, wannst mitm Ruckn stehtst zur Wand“ (für diejenigen, denen diese alpenländische Sprache fremd ist: „Das ist der Tag, an dem die Welt einstürzt, an dem Du mit dem Rücken zur Wand stehst“ ). Apokalyptische Szenarien stehen auch am Ende der Berechnungen von Klimaforschern. Klimaforscher stützen sich auf genaue Messdaten und die sagen vor allem eines: Die Alpengletscher schmelzen ab. Der massive Felssturz am Eiger ist nur eine Folge des schleichenden Gletschersterbens. Denn das Eis hielt die Felsen zusammen wie Zement. Mit dem Wegschmelzen fangen die Felsen, an kritischen Stellen an zu bröckeln. Alles kommt ins Rutschen bis es kein Halten mehr gibt.
Die Ursache dafür sind die heißen Sommer. Extrem heiße Sommer werden mittlerweile nicht mehr als Ausnahme, sondern als Trend gehandelt. Noch heißere könnten folgen. Am Vernagtferner im Ötztal haben Wissenschaftler gemessen, wie sich dieses Klima auf die Gletscher insgesamt auswirkt. Der Bayerische Rundfunk berichtete, dass man mit der Wassermenge, die in einem Sommer täglich von diesem Gletscher abfloss, ganz München mit Trinkwasser hätte versorgen können: Pro Sekunde waren es einem Nachmittag 20 Badewannen Gletscherwasser.
Die Gletscher der Hochgebirge und des Polarmeeres speichern achtzig Prozent des gesamten Süßwasservorkommens. Bleibt es heiß, sitzen wir irgendwann auf dem Trockenen, warnen Wissenschaftler. Sie rechnen vor: Die nächsten 200 Sommer müssten sehr kühl und regenreich sein, um das Gletschersterben aufzuhalten.

Wenn das nicht gelingt, gehören Überschwemmungen und Felsstürze wie an Gotthard und Eiger zur bedrohlichen Tagesordnung für Bewohner der Alpenregion.

Warum solche Szenarien bei e-wie-evangelisch? Sollte man da nicht gut evangelisch mit Luthers Apfelbäumchen und dem „Gott liebt diese Welt“ dagegen halten? Aber das wäre schon reichlich naiv.
Auch liegt es mir fern, die apokalyptisch anmutenden wissenschaftlichen Berechnungen mit einer theologischen oder biblischen Apokalypse gleichzuschalten. Ich sehe es eher so: Ich verstehe unsere Erde wie ein Haus, das uns anvertraut ist. Für Christen ist Gott der Hausherr. Und mal ehrlich: Wären Sie begeistert von Mietern, die den Öltank leer heizen, das Parkett ruinieren, das Wasser ständig laufen lassen, die Zimmerpflanzen verdursten lassen...

Das Versprechen, das Gott am Ende der Sintflut-Erzählung ausspricht, ist vor allem eines, das er sich selber gibt: Solange die Erde steht, werden nicht aufhören Frost und Hitze, Sommer und Winter. Diese Konstanten sind Naturgesetze, die ihre eigene Dynamik haben. Wir Hausverwalter leben nicht in einem luftleeren Raum, in einer künstlich klimatisierten Zone der Seligen.

Das haben die Menschen damals vielleicht noch deutlicher geahnt und erlebt. Die Natur kommt ohne uns aus, sie braucht uns nicht. Harte Tatsachen. Für mich liegt Gottes Treue da, wo er uns zur späten, aber hoffentlich noch nicht zu späten Bereitschaft hilft, umzukehren.

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